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Essener Domschatz

Re-Lighting des Museums Domschatzkammer

Ort: Essen

Kategorie: Kunst & Kultur, Sakralbauten

Der Essener Domschatz
Um 850 gründete eine Gruppe um den Adligen Altfrid, dem späteren Bischof von Hildesheim, eine religiöse Frauengemeinschaft im sächsischen Asnide, dem späteren Essen. Aus der Liturgie dieses Frauenstiftes erwuchs der Essener Schatz. Das Stift hatte seine erste große Blüte im 10. und 11. Jahrhundert, als es wie Quedlinburg und Gandersheim zu den drei großen Familienstiften des ottonischen Kaiserhauses gehörte.
Die Essener Kunstwerke aus dem 10. und 11. Jahrhundert bilden die weltweit bedeutendste Sammlung ottonisch-salischer Goldschmiedekunst.
Ebenfalls einzigartig ist die Gruppe der rund 30 gotischen Kunstwerke des Domschatzes: Reliquiare, Kreuze, Monstranzen, Kelche und Handschriften, dazu emaillierte Broschen aus der Zeit um 1400. Diese Werke entstanden in der Zeit vom 13. bis zum 15. Jahrhundert im Anschluss an den gotischen Neubau der Kirche und zeugen von der zweiten, langen Blüte des Frauenstiftes im späten Mittelalter.
Den Besucher erwarten Werke sakraler Kunst von großer Schönheit und Vollkommenheit, die zur Ehre Gottes geschaffen wurden. Einige der liturgischen Geräte werden heute noch im Gottesdienst in der Domkirche benutzt.
In 2025/2026 erfolgte eine umfängliche Renovierung der Essener Domschatzkammer und eine Umstellung der Beleuchtung von Halogentechnik auf moderne LED-Beleuchtung (Re-Lighting). Auch in diesem Museum war die Bestandsbeleuchtung mit Halogenlampen betroffen vom EU-Lampenverbot und konnte nicht weiter betrieben werden, weil keine Ersatzlampen mehr verfügbar waren. Auch war der Energieverbrauch dieser alten Lampentechnik nach modernen Maßstäben nicht mehr zeitgemäß. Die Zusammenarbeit zwischen KOBER LICHTPLANER und dem Dombaumeister Ralf Meyers war schon aus anderen Projekten erprobt und so wurden die Lichtplaner bereits von Anfang an in das Projekt einbezogen, um das neue Beleuchtungskonzept auf das neue Raum- und Farbkonzept der Domschatzkammer abzustimmen.

Für das Lichtkonzept haben wir folgendes Lastenheft als Grundlage der Planungsarbeiten definiert:

Hohe Kontraste: Hohe Kontraste (Verhältnis ab 1:10 oder mehr) zwischen den Exponaten und der Grundbeleuchtung setzen die Exponate in Szene und lassen die Räume selbst in den Hintergrund rücken. Dazu werden ausschließlich Leuchten mit Linsentechnik verwendet, um das Licht ohne ungewolltes Streulicht gezielt auf die jeweiligen Zielflächen zu bringen.

Wandflutung: Wo immer möglich sollen zusätzlich zu den Exponaten die Wände durch gezielte Wandflutung gleichmäßig und unterschwellig beleuchtet werden. Auf den Wänden sind max. 50lx Beleuchtungsstärke, so dass die Beleuchtung als Raumdefinition wahrgenommen wird, jedoch gegenüber den Exponaten im Sinne einer eindeutigen Wahrnehmungshierachie deutlich zurückgenommen ist. Die Wandflutung unterstützt die Orientierung im Raum trotz der geringen allgemeinen Beleuchtungsstärke und definiert Raumgrenzen unterschwellig.
Deckenflutung: In den Gewölbereichen wird die Grundbeleuchtung über Deckenflutung erzeugt, welche teilweise bewusst als Streiflicht ausgeführt wurden, um die plastische alte Gewölbestruktur zu betonen.

Brillanz: Die Beleuchtung eines Schatzes lebt von Brillanz. Die Exponate sollen plastisch wirken und die Edelmetalle und Edelsteine sollen „funkeln“. Um dies zu erreichen wurden möglichst engstrahlende Spotlights mit präziser Linsentechnik verwendet und keine streuenden Strahler mit Reflektoren. Auch wird ungewollte Blendung durch die präzise Lichttechnik mit hoher Abblendung verhindert.
LED-Technik Farbwiedergabe & Materialfarben: Für die Beleuchtung wurden nur LED-Leuchten mit einem CRI von 92 oder höher eingesetzt. Die Farbtemperatur der Exponatbeleuchtung wird durch den Farbraum der Exponate selbst definiert. 3.000K für Gold, Kupfer, Bronze und Edelsteine im rötlichen Farbraum und 3.500K für Platin, Silber und Edelsteine im bläulichen Farbraum

LED-Technik Farbortkonsistenz & Black Body Curve: Es wurde eine Obergrenze von 2SDCM (Standard Deviation of Colour Matchin) für die Farbortkonsistenz festgelegt. Dies ist insbesondere relevant für Wandflutungen, da man dort etwaige höhere Farbortkonsistenzstreuungen auf den Wänden wahrnehmen würde, da die menschliche Wahrnehmung auf vertikalen Flächen deutlich präziser ausgeprägt ist, als auf horizontalen Flächen. Auch wurde bei der Auswahl der Leuchten darauf geachtet, dass die verwendeten LEDs in den jeweiligen Leuchten bei den spezifizierten Farbtemperaturen möglichst nah am oder auf dem Plank’schen Kurvenzug (Black Body Curve) waren.

LED-Technik Schädigungsfaktor: Insbesondere für Exponate aus Stoff und Papier wurden klare Obergrenzen für den Schädigungsfaktor der verwendeten LEDs definiert und für die jeweilige Anwendung berechnet, als auch ggfls. durch Dimmung oder Sensorik noch fallweise angepasst.

Vitrinen: In einer engen Zusammenarbeit mit dem Vitrinenbauer wurde der Umbau der Bestandsvitrinen so abgestimmt, dass die moderne LED-Leuchtentechnik inkl. der Betriebsgeräte möglichst unauffällig untergebracht werden konnte und gleichzeitig ideale Positionen für die Vitrinenstrahler selbst definiert werden konnten. Die Unterschiedlichen Vitrinenarten wurden jeweils in einem 1:1 Mock Up bemustert und dann für die weitere Produktion freigegeben.

Wireless Lichtsteuerung: Die Bestandsverkabelung im Domschatz war aufgrund fehlender Steuerleitungen nicht für eine Standard DALI Lichtsteuerung geeignet. Eine Nachinstallation 5-adriger Kabel war mit angemessenem Aufwand nicht möglich. Daher wurde eine kabellose Lichtsteuerung auf Basis von Bluetooth für das Projekt geplant.
Sonderleuchten: Das Projekt erforderte beispielsweise wegen der sehr geringen Deckenhöhen im Untergeschoss besondere lichttechnische Lösungen. Diese wurden in Form von Sonderleuchten konstruktiv von uns ausgearbeitet und bemustert. Teilweise wurden die Farben von linearen Wandleuchten unmittelbar auf die Wandfarben abgestimmt, so dass die Leuchten selbst noch stärker in den Hintergrund rücken.

Die Qualität eines Beleuchtungsprojektes entsteht in der Planung und besonders am Ende beim Einleuchten. Wie in vielen unserer Museumsprojekte haben wir auch hier die Ausrichtung der einzelnen Leuchten und die Einstellung der Lichtszenen und Dimmwerte übernommen, um sicherzustellen, dass die Planung auch in die Wirklichkeit überführt wird.

Das Ergebnis dieser Arbeit lässt sich in einem Zitat von den Leiterinnen der Domschatzkammer Andrea Wegener & Daniela Krupp sehr schön zusammenfassen: „Unser Schatz präsentiert sich in neuem Glanz“. Die Planer von KOBER LICHTPLANER sind durften einen kleinen Beitrag dazu beitragen.

Copyright Fotos: KOBER LICHTPLANER GmbH